Der Bremer Förderpreis für Bildende Kunst, zählt zu den ältesten und bestdotierten Nachwuchsförderpreisen und wird seit 1977 vergeben. U.a. wurde er an Kunstschaffende wie Norbert Schwontwowski (1985), Christian Haake (2007) und Elianna Renner (2009) verliehen, die in den darauf folgenden Jahren auch überregional bekannt wurden. Die vom Senator für Kultur verliehene Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro dotiert. Hinzu kommen eine Einzelkatalogförderung von 3.000 Euro sowie eine Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Bremen. 

Die Preisträgerin beziehungsweise der Preisträger des Förderpreises für Bildende Kunst wird in einem zweistufigen Verfahren bestimmt. Aus allen eingehenden Bewerbungen wählt zunächst eine regionale Vorschlagskommission die Kandidaten und Kandidatinnen für eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen aus. Aus dieser Ausstellung heraus bestimmt eine überregionale Jury die Preisträgerin oder den Preisträger. 

In diesem Jahr gehörten Dr. Katrin Hippel (Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr), Prof.in Heike Mutter (Künstlerin, Hochschule für Bildende Künste Hamburg), Junia Thiede (Kunstverein Braunschweig), Dr. Julia Wallner (Arp Museum Bahnhof Rolandseck) und Dr. Linda Walther (Museumszentrum Quadrat Bottrop) der Jury an.

Aus den insgesamt 33 Einsendungen hat eine regionale Vorschlagskommission 12 Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung nominiert: 

Elfin Açar | Franca Brockmann | Dorsa Eidizadeh | Johannes Fiola | Atsushi Mannami | Shoji Matsumoto | Ludger N.o.kel | Renen | Yoriko Seto | Hassan Sheidaei | Behshad Tajammol | Carlotta von Haebler 

Die Hauptjury für den 48. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst 2024 trat am 17. Februar 2025 zusammen und hat Dorsa Eidizadeh als Preisträgerin mit ihrer Arbeit »Fair is foul and foul is Fair, Hover through the fog and filthy air« bestimmt. 

Darin beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Glockenspiel in der Böttcherstraße als einem Ort und Symbol unreflektierter kolonialer Kontinuitäten. Ihre Auseinandersetzung weist dabei über die Benennung der problematischen politischen Aspekte einer touristischen Attraktion hinaus. Über ein eigenes Glockenspiel aus 30 Porzellanglocken, über eine Klanginstallation und durch ein künstlerisch gestaltetes Faltblatt eröffnet Dorsa Eidizadeh sinnliche, haptische und poetische Zugänge zu der Frage, wo sich in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft koloniale Strukturen manifestieren und wie man damit umgehen kann, wenn man diese Kontinuitäten eigentlich verändern möchte. 

Begründung der Jury zur Preisvergabe hier.

 

Die Jury für den 48. Bremer Förderpreis für Bildende Kunst hat mehrfach die hohe Qualität der präsentierten Arbeiten insgesamt betont, deren Inhalte und formalen Ansätze sehr vielfältig seien. Die zwölf Positionen belegten, dass die junge regionale Kunst einem internationalen Standard entspricht und diese Künstlerinnen und Künstler das Potenzial haben, auch überregional auf sich aufmerksam zu machen.
Dies zeigt sich besonders in der Vielfalt der künstlerischen Positionen, die in der Ausstellung vertreten sind.  Die Künstler*innen arbeiten mit unterschiedlichsten Medien: Elfin Açar und Shoji Matsumoto zeigen eher malerische Positionen. Die klassische Fotografie von Johannes Fiola und die Videoarbeiten von Renen und Behshad Tajammol stehen neben skulpturalen Ansätzen von Atsushi Mannami und Hassan Sheidaei, die sich explizit auf die spezifischen Räume der Städtischen Galerie Bremen beziehen. Ähnlich intervenieren auch Franca Brockmann, Dorsa Eidizadeh und Ludger N.o.kel mit plastischen Setzungen in der Ausstellung. Yoriko Seto zeigt großformatige Kohlezeichnungen auf den Wänden der Galerie und einen dazugehörigen Trickfilm. Carlotta von Haebler hingegen führt ihre Zeichnungen und Collagen direkt in einem Buch aus, das Anlass, Grundlage und Form für ihre Arbeit darstellt. Viele der gezeigten Positionen thematisieren wichtige politische Fragen unserer Zeit. Zum wiederholten Male zeigt auch diese Ausstellung, dass die teilnehmenden Künstler*innen, die aus vielen verschiedenen Herkunftsländern nach Bremen gekommen sind, die regionale Kunstszene bereichern.